Woche 28

Kunstprojekt „von Bäumen, Leitern und Treppen“
Multimedia im Treppenhaus des Neuen Rathauses der VG Dierdorf.
Per QR-Code, NFC-Tags und einem Monitor werden Kurzgeschichten, Gedanken und kleine Filme zum Thema „Bäume, Leitern und Treppen“ präsentiert.
Gelesen und gespielt von Hannelore Bähr und Rainer Furch.
Hannelore Bähr liest: „forbidden“


Woche 27: Rainer Furch erzählt einen Treppenwitz


Woche 26: Film Hannelore Bähr und Rainer Furch in „Treppenbegegnungen“

Woche 25: Hannelore Bähr liest Rainer Maria Rilke

Die Treppe der Orangerie
Versailles

Wie Könige die schließlich nur noch schreiten
fast ohne Ziel, nur um von Zeit zu Zeit
sich den Verneigenden auf beiden Seiten
zu zeigen in des Mantels Einsamkeit -:

so steigt, allein zwischen den Balustraden,
die sich verneigen schon seit Anbeginn,
die Treppe: langsam und von Gottes Gnaden
und auf den Himmel zu und nirgends hin;

als ob sie allen Folgenden befahl
zurückzubleiben, – so dass sie nicht wagen
von ferne nachzugehen; nicht einmal
die schwere Schleppe durfte einer tragen.

Rainer Maria Rilke, Juli 1906, Paris


Woche 24: Rainer Furch: Sprücheklopfer (Serie Treppenwitz)

Woche 23: Rainer Furch: Treppenwitz

Woche 22: Film Hannelore Bähr: Die Ankunft. Ein Treppenritual.

Woche 21: Rainer Furch liest Kurt Schwitters „Der eigene Weg“

Der eigene Weg
So ist der Weg. Wir gehen ihn, weil wir ihn kennen. Das Ziel ist dunkel, aber hell der Weg.
Der Weg ist hell, wenn wir ihn gehen wie ein Kind an Gottes Hand.
Und mag es auch gefährlich scheinen, wir wissen, dass für uns der Weg, den wir gerade gehen müssen, der beste Weg von allen Wegen ist.
Wenn wir nicht fragen nach dem Zweck und Ziel, wenn wir vertrauen, dass der Weg, den wir erwählen, der einzige von allen Wegen ist, dann haben wir die Kraft, den rechten Weg zu finden.
Und dabei ist es gleich, ob wir auf uns vertrauen, auf uns selbst, dass wir das Richtige finden müssen, oder auf Gott – ein Wesen außer uns – und ob wir Gott als Schicksal oder als Gesetz erkennen, oder an den Gott der Kirche glauben, der schon der Gott der Väter war.
Nur eins ist für uns von unbegrenzter Wichtigkeit, dass wir den Weg erkennen.
Dem einen ist die breite Straße richtig, dem andern ist es der schmale Weg.
Der eine fährt bequem im Wagen und der andre geht,
der Dritte klettert steil hinauf und steil hinab.
Der eine ist sehr langsam und der andere schnell.
Nur eines wäre falsch, den Weg des anderen statt des eigenen zu begehen.
So ist der Weg.
Wir kennen ihn, wir gehen ihn und sind zufrieden.
Kurt Schwitters

Woche 20: Rainer Furch zitiert ein Sprichwort

Woche 19. Hannelore Bähr liest „Treppenstürze“

Woche 18: Hannelore Bähr liest „Stufen“ von Hermann Hesse.

Film: Hannelore Bähr
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!


Woche 17: Rainer Furch liest J. Ringelnatz

Foto: Plastik von Søren Rasmussen

Krimigedicht: J. Ringelnatz – Vier Treppen hoch bei Dämmerung
Du mußt die Leute in die Fresse knacken.
Dann, wenn sie aufmerksam geworden sind, –
Vielleicht nach einer Eisenstange packen, –
Mußt du zu ihnen wie zu einem Kind
Ganz schamlos fromm und ärmlich einfach reden

Von Dingen, die du eben noch nicht wußtest.
Und bittst sie um Verzeihung – einzeln jeden –,
Daß du sie in die Fresse schlagen mußtest.
Und wenn du siegst: so sollst du traurig gehen,
Mit einem Witz. Und sie nie wieder sehen.
(1923)

Woche 16
Rainer Furch liest Friedrich Hölderlin (1797)

Die Eichbäume
Aus den Gärten komm’ ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, Ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt’ und erzog und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt’ ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd’ ich unter euch wohnen!


Woche 15: Von und mit Hannelore Bähr und Rainer Furch.
Treppen Begegnungen 01


Woche 14: Rainer Furch liest: Ludwig Uhland „Bei einem Wirte wundermild“

Bei einem Wirte wundermild 
Bei einem Wirte wundermild,
da war ich jüngst zu Gaste,
ein gold’ner Apfel war sein Schild
an einem langen Aste.
Es war der gute Apfelbaum,
bei dem ich eingekehret;
mit süßer Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.
Es kamen in sein grünes Haus
viel leicht beschwingte Gäste,
sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das Beste.
Ich fand ein Bett zu süßer Ruh
auf weichen, grünen Matten.
Der Wirt, der deckte selbst mich zu
mit seinem kühlen Schatten.
Nun fragt‘ ich nach der Schuldigkeit,
da schüttelt er den Wipfel.
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel.
Ludwig Uhland

Woche 13: Hannelore Bähr: „17 mm fehlten mir zum Glück“ – Hildegard Knef

Dass es gut war wie es war
Das weiß man hinterher
Dass es schlecht ist, wie es ist
Weiß man gleich
Siebzehn Millimeter fehlten mir zu meinem Glück
Und schon warf’s mich tausend Meiln zurück
Und da steh‘ ich nun
Und da lieg‘ ich nun
Wie anno damals jener Sisyphus
Und beginn noch mal
Zum wievielten Mal im Tal
Wie noch jedes Mal
Wer rollt den Stein den Berg hinauf
Und gibt nicht auf und gibt nicht auf
Der Mensch, wer sonst wohl als der Mensch
Doch dass es gut war wie es war
Das weiß man hinterher
Dass es schlecht ist, wie es ist
Das weiß man gleich
Siebzehn Millimeter fehlten mir zu meinem Glück
Und schon warf’s mich tausend Meiln zurück
Und was hilft’s mir nun, dass ich oben war
Dass ich den Gipfel um ein Haar erreicht
Ich muss, sprach Sisyphus
Und er nahm den Stein
Trug ihn allein den gleichen Berg hinauf
Ich, die Erbin dieses Sisyphus
Ich tu’s ihm gleich
Folg‘ geduldig seinen Spuren
Schritt für Schritt
Denn wer glaubt zum ungezählten Mal
Und gibt nicht auf
Der Mensch
Wer sonst wohl als der Mensch
Dass es gut war wie es war
Das weiß man hinterher
Dass es schlecht ist, wie es ist
Weiß man gleich
Siebzehn Millimeter fehlten mir zu meinem Glück
Und schon warf’s mich tausend Meiln zurück

Woche 12: Rainer Furch liest „Bäume“ von Hermann Hesse
(in: Wanderung, 1919)

„Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame.  In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum. Wenn ein Baum umgesägt worden ist und seine nackte Todeswunde der Sonne zeigt, dann kann man auf der lichten Scheibe seines Stumpfes und Grabmals seine ganze Geschichte lesen: in den Jahresringen und Verwachsungen steht aller Kampf, alles Leid, alle Krankheit, alles Glück und Gedeihen treu geschrieben, schmale Jahre und üppige Jahre, überstandene Angriffe, überdauerte Stürme. Und jeder Bauernjunge weiß, daß das härteste und edelste Holz die engsten Ringe hat, daß hoch auf Bergen und in immerwährender Gefahr die unzerstörbarsten, kraftvollsten, vorbildlichsten Stämme wachsen.

Bäume sind Heiligtümer.  Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das Einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens. (…)“

Woche 11: Rainer Furch liest „Dauer im Wechsel“ von Johann Wolfgang von Goethe

Hielte diesen frühen Segen,
Ach, nur eine Stunde fest!
Aber vollen Blütenregen
Schüttelt schon der laue West.
Soll ich mich des Grünen freuen,
Dem ich Schatten erst verdankt?
Bald wird Sturm auch das zerstreuen,
Wenn es falb im Herbst geschwankt.

Willst du nach den Früchten greifen,
Eilig nimm dein Teil davon!
Diese fangen an zu reifen,
Und die andern keimen schon;
Gleich mit jedem Regengusse
Ändert sich dein holdes Tal,
Ach, und in demselben Flusse
Schwimmst du nicht zum Zweitenmal.

Du nun selbst! Was felsenfeste
Sich vor dir hervorgetan,
Mauern siehst du, siehst Paläste
Stets mit andern Augen an.
Weggeschwunden ist die Lippe,
Die im Kusse sonst genas,
Jener Fuß, der an der Klippe
Sich mit Gemsenfreche maß.

Jene Hand, die gern und milde
Sich bewegte, wohlzutun,
Das gegliederte Gebilde,
Alles ist ein andres nun.
Und was sich an jener Stelle
Nun mit deinem Namen nennt,
Kam herbei wie eine Welle,
Und so eilt’s zum Element.

Laß den Anfang mit dem Ende
Sich in eins zusammenzieh’n!
Schneller als die Gegenstände
Selber dich vorüberflieh’n.
Danke, daß die Gunst der Musen
Unvergängliches verheißt:
Den Gehalt in deinem Busen
Und die Form in deinem Geist.


Woche 10: Hannelore Bähr liest „Bäume“ von Lorca


Woche 9: Rainer Furch liest eine Zungenbrecher-Geschichte von Michael Ende: „Der Lappe“.

Woche 8: Hannelore Bähr

Woche 7: Rainer Furch


Woche 6: Hannelore Bähr und Rainer Furch: „Treppenwitz“


Woche 5: Wort und Film: Hannelore Bähr und Rainer Furch/Schauspieler: Gerhard Heinrich

Woche 4: Rainer Furch und Hannelore Bähr lesen: „Purzelbaum“ von Christian Morgenstern (entstanden nach 1887).

Der Purzelbaum

Ein Purzelbaum trat vor mich hin
und sagte: „Du nur siehst mich
und weißt, was für ein Baum ich bin:
Ich schieße nicht, man schießt mich.

Und trag ich Frucht? Ich glaube kaum;
auch bin ich nicht verwurzelt.
Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
sobald ich hingepurzelt.“

„Je nun,“ so sprach ich, „bester Schatz,
du bist doch klug und siehst uns: –
nun, auch für uns besteht der Satz:
Wir schießen nicht, es schießt uns.

Auch Wurzeln treibt man nicht so bald
und Früchte nun erst recht nicht.
Geh heim in deinen Purzelwald,
und lästre dein Geschlecht nicht.“

(aus „Galgenlieder“)

Woche 3. „Lebenslauf“ von Friedrich Hölderlin (1800) gelesen von Rainer Furch


Lebenslauf
Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
All uns nieder; das Laid beuget gewaltiger;
Doch es kehret umsonst nicht
Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab! herrschet in heil’ger Nacht,
Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
Herrscht im schiefesten Orkus
Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?

Diß erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich
Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
Daß ich wüßte, mit Vorsicht
Mich des ebenen Pfads geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern’,
Und verstehe die Freiheit,
Aufzubrechen, wohin er will.

Woche 2: Hannelore Bähr liest „vier berühmte Treppen“

Woche 1: Hannelore Bähr liest Wilhelm Busch „nur leise“

Sehr häufig traf Studiosus Döppe
Paulinen auf des Hauses Treppe,
wenn sie als Witwe tugendsam
des Morgens aus der Stube kam.

Da sie Besitzerin vom Haus,
so sprach sich Döppe schließlich aus
und bat mit Liebe und Empfindung
um eine dauernde Verbindung.

„Herr Döppe“, sprach Pauline kühl,
„ich ehr‘ und achte Ihr Gefühl,
doch dies Gepolter auf der Treppe
fast jede Nacht ist bös, Herr Döppe!“
Worauf denn Döppe fest beschwor,
die Sache käme nicht mehr vor.

Dies Schwören sollte wenig nützen.
Nachts hat er wieder einen sitzen.
Er kommt nach Haus in später Stund
mit Pfeife, Rausch und Pudelhund.

Behutsam zieht er auf dem Gang
die Stiefel aus, die schwer und lang,
um auf den Socken, auf den weichen,
geräuschlos sich emporzuschleichen.

Fast ist er schon dem Gipfel nah
und denkt, der letzte Tritt ist da.
Dies denkt er aber ohne Grund.
Die Pfeife bohrt sich in den Schlund.

Die alte Treppe knackt und knirrt,
Erschrecklich tönt der Stiefel Krach,
dumpf rumpelt Döppe hinten nach.

Der Pudel heult und ist verletzt,
weil Döppe seinen Schwanz besetzt.
Pauline kommt mit Kerzenlicht;
Beschämt verbirgt er sein Gesicht.
Man hört nichts weiter von Paulinen,
als: „Döppe, ich verachte Ihnen!“